Mittwoch, 28. März 2012

Feminismus 101 - Grundlagen und warum wir überhaupt drüber reden



Ich kann ja schlecht rummeckern, und es selber dann keinen Deut besser machen. Also: Wenn der Mainstream-Online-Feminismus im Kreis um sich selbst tanzt, ich aber mit Geduld und Nerven ausgestattet bin - dann werde ich jetzt zur Dr. Sommer des Feminismus.  Ich will hier die Grundzüge des Feminismus erklären und auch auf bestimmte Probleme in der Gesellschaft eingehen.
Was aber gesagt werden sollte: Ich erhebe keinen Anspruch auf 100%ige Deckungsgleichheit mit der Mainstream-Feminismus-Meinung. Ich habe einen anderen Fokus, bin in vielen Dingen weniger radikal, tendenziell sehr abwägend - aber da der Feminismus als Gedankenströmung eh nicht überall gleich aussieht, kann euch das ja egal sein. Im Gegenteil, ich will Grundlagen vermitteln, damit sich meine Leser eine eigene Meinung bilden können. Gerne auch Leser, die sich noch nie damit beschäftigt haben. Ich will mich bemühen, so neutral wie möglich zu schreiben, gleichzeitig aber auch meine eigene Meinung zur Sprache bringen. Eine Gratwanderung, für die ich sicher den Arsch voll kriegen werde.

Also, was ist denn nun dieser Feminismus? Ich meine, der Begriff fängt schon an, ein bisschen zu müffeln, wie ein Höschen, dass zu lange in einer bestimmten Ecke rumlag. Viele Menschen verbinden den Feminismus mit der guten Alice Schwarzer, Frauenquote überall und dem Verbot von Pornos. Aber eigentlich sind die überwiegende Mehrheit der Menschen Feministen. Nicht nur die lesbischen, hässlichen, unterfickten Weiber, wie das Klischee es so freundlich ausdrückt.

Die Sache lässt sich eigentlich gut zusammenfassen: Du findet Gleichberechtigung und die Gleichstellung aller Menschen in der Gesellschaft gut? Glückwunsch, dann bist du Feminist_in! Aber lasst erstmal drüber reden, was Gleichberechtigung und Gleichstellung bedeuten.



Kurz gefasst. Gleichberechtigung ist die Theorie, Gleichstellung die Praxis.
Die Gleichberechtigung ist ein Ideal, welches sich in den Köpfen der Menschen gebildet hat und bilden kann. Sie sagt aus, dass jeder Mensch, egal ob männlich oder weiblich,  ob weiß oder of colour, egal ob Hetero-, Homo-, Bi- oder Pansexuell, egal ob Gendertypisch oder Transgender - ja sogar egal ob katholisch, muslimisch oder jüdisch, jeder Mensch hat die gleichen Rechte und die gleichen Startbedingungen im Leben bzw. sollte sie haben.
Die Gleichstellung ist dann die praktische Umsetzung. Rein rechtlich leben wir ja in einem Staat in dem Gleichberechtigung herrschen soll. Doch das ist, wie die Praxis zeigt, nicht immer gegeben. Viele Frauen werden benachteiligt. Homosexuelle ebenso, Transsexuelle auch. Viele Menschen werden benachteiligt.
Selbst Männer werden in manchen Bereichen benachteiligt. So ist es für einen Mann viel schwerer als Kindergärtner oder Grundschullehrer akzeptiert zu werden. Oder in der Familie als Hausmann zu sorgen.

Frauen haben dieses Problem in "typischen" Männerberufen auch, dazu kommen aber auch noch viele andere gesellschaftliche Probleme für Frauen. Sexuelle Übergriffe, häusliche Gewalt, uralte Rollenvorbilder, gesellschaftlicher Druck "gut" auszusehen....Kurzum: Frauen sind gegenüber Männer viel stärker benachteiligt, stehen also im Machtgefälle weiter unten, werden gesellschaftlich diskriminiert. Ebenso geht es People of Colour im Vergleich zu Weißen, Transgendern im Vergleich zu Cistypischen (Also Menschen, bei denen Sex und Gender zusammenpassen, der Mehrheit eben).



Und deswegen gibt es trotz juristischer Gleichberechtigung keine Gleichstellung in der Gesellschaft. Und deswegen gibt es den Feminismus. Und deswegen ist er auch immernoch notwendig.


Yeah, xx

Kommentare:

  1. Gut geschrieben. Nur mMn hast du den wichtigsten Punkt vergessen: Frauen kriegen bei gleicher Arbeit weniger Lohn.
    Aber das kann man ja genauso gut mit Ossis/Wessis fortführen. Nach über 20 Jahren Einheit gibt es immer noch Ost- und Westlöhne. So viel zum Thema Gleichberechtigung :)
    (Und nein, das Argument "Im Westen sind die Lebenshaltungskosten höher" zieht lange nicht mehr. Die Mieten sind vllt höher, aber dafür sind es im Osten die Nebenkosten, Müll, etc. - also letztendlich das gleiche.)

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    1. Dieser ach so wichtige Punkt ist nur leider absolut nicht korrekt.

      "Dies bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde durchschnittlich 8% weniger als Männer verdienten. Dieser Wert stellt insofern eine Obergrenze dar, als einige weitere Faktoren, die zur Erklärung des Verdienstunterschieds beitragen könnten, in der Analyse nicht berücksichtigt werden konnten, da die entsprechenden Angaben nicht vorlagen."

      Solange diese Faktoren nicht in einer zukünftigen Studie mit einbezogen werden und ein realistischer Gehaltsunterschied berechnet wird, wäre ich doch sehr skeptisch bei derartigen Behauptungen.

      Quelle: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2010/10/PD10_384_621.html

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  2. Sehr schön geschrieben :) Auch ich finde das mit dem gleichen Lohn sollte noch erwähnt werden. Aber was jetzt die Frauenquote angeht, damit wird das Problem auch nicht gelöst...Es ist ja nicht so dass wir nicht die gleichen Stellen besetzen könnten, es gibt aber immer noch krasse Lohnunterschiede...

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  3. Stimmt, das mit dem Lohn hätte ich noch erwähnen sollen...Das werde ich aber nachholen, versprochen :)

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  4. Sehr gut dargestellt. Stimme Ihnen völlig zu. Es sollte nur betont werden, dass unter Feministen/innen sehr unterschiedliche Einstellungen herrschen. Dies betrifft auch auf den "Mainstream-Feminismus" zu.
    Man findet sogar Feministen/innen, die an die "angeborene Eigenschaften" der Geschlechter glauben.

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