Dienstag, 1. April 2014

Mein Praktikum im Paradies der Penisse

Heute wurde mein allererster Artikel in einem richtigen Magazin veröffentlicht. Ich schreibe darin über meine Erfahrungen als Praktikantin in einem Erotikmassagestudio. Also, wer interessiert ist:

Freitag, 14. März 2014

Periodenblut, seine einzige Schwäche!

Dieses Bild ist überhaupt nicht von Fotolia, sondern zeigt Dennis, wie er leibt und lebt.


Was ist nur los mit der Männerwelt*? Letzte Woche hat sich ein Autor der Joy (der, nebenbei erwähnt, eigentlich für den Playboy schreibt) über seine diversen frauenbezogenen Ängste ausgelassen, diese Woche findet sich in der aktuellen BravoGIRL! (Ja, die mit dem "Mädchen dürfen keine Hamburger essen, das ist ja unappetitlich!") ein Text von Dennis. Dennis hat offensichtlich kein Alter (steht zumindest nirgendwo) und er hat Angst. Wovor? Vaginablut!

*Voller Äxte, Bacon, Fußballpostern und epischen Bärten. Natürlich.


Bitte keine Details! 

Dass Girls ihre Tage haben wissen wir. Mehr Informationen zu dem Thema sind aber echt einfach nur quälend!

Es ist schön, dass du die Existenz der Periode anerkennst. Freut mich. Ehrlich. Und bevor mich jetzt jemand falsch versteht: Ich finde den folgenden Text nicht falsch, weil ich der Ansicht bin, man sollte magische Rituale mit Periodenblut abhalten oder seinen Angebeteten mit Tampons bewerfen. Ich finde den Text falsch, weil er - wie so viele Texte in diesen Zeitungen - ein natürliches, unschönes Erlebnis, mit dem sich die meisten Frauen etwa 25 Prozent ihrer Zeit herumschlagen müssen, weiter tabuisiert. Besonders für junge Mädchen, die vielleicht sowieso schon Probleme mit ihrem Körper und seinen Funktionen haben, ist das ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu einem gesunden Körpergefühl. Aber hören wir uns erst einmal an, was Dennis uns so zu sagen hat.

Vanessa ist der Hammer! Sie hat eine Menge von der Traumfrau, die ich mir immer vorgestellt habe. Klingt superkitschig, ich weiß!
Ja, total kitschig und merkwürdig, seine Freundin grundsätzlich gut zu finden.

Es gibt aber eine Sache, die mich tierisch nervt: dass sie mich mir ihrem Mädchenkram belästigt.
Sie "belästigt" dich, so so.  Das ist aber ganz schön mies von dieser perfekt funktionierenden Puppe, dich mit ihren Unwohlsein zu belästigen!

Zum Beispiel zieht sie mich jedes Mal mit rein, wenn sie ihre Periode hat: "Dennis, ich habe solche Bauchschmerzen, was soll ich nur tun?"
Junge, sie zeichnet dir keine Runen aus Periodenblut aufs Gesicht. Auch, wenn du es verdient hättest. Es geht ihr schlecht und sie teilt ihren Gefühlszustand mit dir. Die olle Kuh, ey.

Das mit dem ganzen Blut und dem Ganzen ist mir so unheimlich, dass ich nicht mal drüber nachdenken möchte!
Stell dir vor, sie und der größte Teil der periodengeplagten Frauen wollen das auch nicht!

Sorry Mädels, aber könnt ihr Pickel, Diäten, Haarentfernung und anderes Mädchenzeugs nicht unter euch besprechen?
Weil männliche Männer nämlich nie Pickel bekommen. Gut, Körpernormierungswahn und Haarentfernung ist für euch wirklich nicht so ein Thema, aber wer schreit denn dann als Erstes rum, wenn die tolle Vanessa mal keine perfekt rasierten Achseln hätte?

Mein Vorschlag: Wir Jungs tauschen uns über unsere Themen aus [...], und ihr Mädchen diskutiert mit euren Freundinnen über eure Körperprobleme und welchen Lippenstift ihr kauft.
Japp. Lasst uns Jungs mal über die richtigen Themen reden, und ihr könnt ja über Schminke und Periodenblut reden. Frauenquatsch halt. Ihr wisst schon. So ekeligen Kram.

Aber da hört es noch nicht auf. Der Text des jungen Mannes wird von einer GIRL!-Redakteurin kommentiert. Und wer jetzt glaubt, es geschieht ein moderatives Eingreifen mit dem Hinweis, dass man sich für seine Körperfunktionen nicht schämen muss, der hat wohl noch nie eine Teeniezeitschrift in der Hand gehalten:
Jungs verstehen manche Dinge eben nicht oder finden sie unappetitlich. Sei ihm nicht böse! Jungs suchen lieber Lösungen als Probleme. Wenn du das nächste Mal schlimme Regelschmerzen hast, dann erzähle ihm nicht die Einzelheiten - sondern lade ihn auf einen Spaziergang ein. Dann geht es dir auch gleich besser.
Japp, genau, steh bloß nicht zu deinen Schmerzen. Sorg dafür, dass der Mann sich wohl fühlt. Und nicht von dir belästigt wird!

Ein Beziehungsratgeber aus den 50ern hätte es nicht schöner formulieren können.

Mittwoch, 5. März 2014

Die Angst der Männer

Ein angsteinflößendes Subjekt

Oh hai Welt! Ich habe ja eigentlich keine Zeit. Das heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht immer noch mit großer Leidenschaft Mädchenzeitungen und ihren etwas größeren Schwestern, den Erwachsenen-Bravos, beschäftige. Allerdings habe ich in der aktuellen Joy (März 2014) einen Artikel gefunden, der so wahnwitzig ist, dass es mir nicht gereicht hat, ihn live im Teamspeak mit meinen Freunden zu zerreißen.

"Männer sind das furchtlose Geschlecht". Das sagt der Artikel von Maximilian Reich bereits in der ersten Zeile. Das hält ihn aber nicht davon ab, der geneigten Leserin zu berichten, was Penisträger (und seien wir ehrlich, an die Möglichkeit von Transmännern denkt der werte Autor vermutlich eher nicht) wirklich das Fürchten lehrt. Interessiert? Naja, sagen wir mal so: Ich bin der Überzeugung, dass diese Liste definitiv nicht für alle Männer gilt, sondern nur ein sehr interessantes Bild des Autoren zeichnet.

Was versetzt das "starke Geschlecht" denn nun in Angst und Schrecken?

1) IHR Geburtstag
2) Jonas (ein Arbeitskollege von IHR)
3) IHR BH-Verschluss
4) IHR Jahrestag
5) IHRE Frage nach dem Aussehen
6) IHR Vater
7) Eine gemeinsame Wohnung mit IHR
8) Der erste Sex mit IHR
9) IHR Aussehen
10) IHRE beste Freundin
11) IHRE Vagina
12) Eine feste Beziehung zu IHR

Ich habe da ja so eine Theorie: Das sind keine globalen Probleme von Männern, sondern ziemlich persönliche Probleme des Autoren. Ist aber nur so eine Theorie. Eine andere Möglichkeit wäre es natürlich, dass die Zeitschrift JOY ein Magazin für Frauen ist, die wissen wollen, was sie an ihrem Verhalten ändern müssen/sollen/können. Und die es gewohnt sind, die alleinige Schuld am Übelergehen aller armen Männer zu haben.
Die armen Männer. Haben Angst vor den bösen Frauen. Aber schlüsseln wir doch mal auf, was an einigen der oben genannten Punkte denn so schlimm für den verängstigten Mann von heute ist.

1) Ihr Geburstag

"Jedes Mal, wenn meine Freundin Geburtstag hat, fallen mir nur Kosmetikgutscheine, Plüschpantoffeln oder ein 3-teiliges Topfset von HSE24 ein."
Das nachfolgende Dilemma könnte jetzt natürlich eventuell an seiner, mhm, nicht so optimalen Kreativität liegen. Ist aber nur so eine Theorie. Und ein Topfset? Ernsthaft?

"Wenn ein Mann einen iPod will, dann sagt er: "Schatz, ich will einen iPod.". Die Frau zieht dann los und kauft ihm einen Norwegerpullover."
Inwiefern er jetzt deswegen Angst vorm Geburtstag seiner Partnerin hat, erschließt sich mir jetzt zwar nicht, aber gut. Ich bin ja auch kein Mann.

2) Ein Arbeitkollege

"Ich hasse Jonas."
Wer tut das nicht?

"Jonas ist der Arbeitskollege meiner Freundin. [...] Er hilft ihr beim Papierstau - und ich kann nur zuhause sitzen und hoffen, dass sie sich nicht in ihn verliebt."
Du hast ja enormes Vertrauen in deine Freundin. Und in deine Fähigkeiten als Partner auch. Könnte das eventuell ein Grund für deine Angst vor der armen Frau sein...? Ach halt. Nein. Kann ja nicht sein, dass das irgendwie an dir liegen könnte.

"Wenn wir abends ausgehen, wird Sonja öfters mal angeflirtet. Aber da stelle ich mich dann einfach dazwischen. Aber diesmal ist der Gegner unsichtbar."
Jep, man muss als Ugg-Ugg-Männchen seine Besitzansprüche schon ziemlich klar zeigen. Sonst gewinnt ja der Gegner das Weibchen.

5) Die Frage "Welches Kleid steht mir besser"

Eigentlich ein sehr uninteressanter Artikel über Klischees und Vorurteile bei der Kleiderauswahl. Aber dieser Satz ist Comedy-Gold:
"Diese Frage ist russisches Roulette, bloß mit tagelangem Sexentzug statt einem schnellen Tod durch eine Kugel."
Joah, der Vergleich drängt sich ja geradezu auf.

7) Die gemeinsame Wohnung

"Während ich diesen Text schreibe, liegen meine Schuhe auf dem Tisch, die Chipstüte krümelt neben mir auf dem Sofa und die Bierflasche wird auf dem Holztisch einen Ring hinterlassen. Ich liebe es!"
Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Aber beeindruckend, mit einem Artikel sowohl Männern, als auch Frauen zu beleidigen.

9) Ihr Aussehen

Der Artikel beginnt mit einer sehr wirren Analogie über Damokles und das Schwert über seinem Kopf. Denn die Schönheit einer Frau pendelt über dem Kopf eines Mannes wie ein scharfes Schwert. Oder so:

"Ich hatte mal eine Freundin, die modelte. Weiche Haut, große Augen, Kurven wie der Nürburgring. Fand ich spitze. Alle anderen Männer auch. Und sie alle machten ihr Komplimente. Ich hatte keine ruhige Minute mehr. Es war nur eine Frage der Zeit, bis unter all ihren Verehrern mal einer auftaucht, den sie interessanter findet als mich."
Du, ich hab keine Ahnung, woher das nur kommt. Aber schön, dass du schon mal präventiv die Frau für das Scheitern der Beziehung beschuldigst. Wär sie halt mal nicht so hübsch. Aber dann fändest du sie hässlich. Ein Teufelskreis.

11) Ihre Vagina

"Wir Männer fürchten, was wir nicht kenne. Egal, ob äthiopisches Essen, das Gertrudenberger Höhlensystem oder eben Muschis."
Eine glanzvolle Aufzählung, ganz ehrlich. 
Ergänzt wird dieser Absatz mit Geschwurbel über die "Vagina dentata", die reißzähnige Vagina. Und darüber, dass er nicht weiß, was da unten eigentlich was ist und welchen Zweck die Klitoris erfüllt. Ich glaube fast zu wissen, was EIGENTLICH sein Problem ist...

Zusammenfassend kann man sagen: Die Frauen sind Schuld. Die Männer SIND ja eigentlich das starke und furchtlose Geschlecht - wären da nicht die Frauen mit ihrer blöden Existenz. So ein Scheiss aber auch. Ich möchte fast schon sagen, dass dieser Artikel vor Frauenhass trieft, aber das trifft es nicht richtig. Er verbindet Klischees, Vorurteile und "lustige" Anekdoten zu einem Text, der Frauen wie Männer beleidigt. Man könnte sogar fast denken, der Autor ist noch nie in Kontakt mit einem weiblichen Wesen gekommen. Und wenn ich so drüber nachdenke, ist das vielleicht auch gar nicht mal so verkehrt.





Dienstag, 18. Juni 2013

Feminismusbashing - It's fun! (und destruktiv)

Anmerkung: Denkt auch hinter jedes "Feminismus" ein tm-Zeichen. DEN Feminismus gibts nicht. Ich fasse jetzt aber der Einfachhalt halber die gängigen Strömungen zusammen.

Es scheint einen gesellschaftlichen Konsens zu geben: Feministinnen sind doof. Und Feministen auch. Und eigentlich grundsätzlich alle, die den Feminismus gut finden - denn die unterdrücken ja die ARMEN MÄNNER und verwirren die Gesellschaft mit ihrer doofen Sprache, wollen unsere Kinder verführen und praktizieren auch schwarze Magie.

Sorry, aber es fällt mir echt schwer, bei manchen Kommentaren ernst zu bleiben und nicht ins Polemische abzudriften.


Mal davon abgesehen, dass ich nicht 100%ig verstehe, was der gute Mensch mit sagen will (Ich soll mich über den Feminismus informieren? Der Feminismus ist doof? Mein Leben ist toll, weil ich eine Vagina mein Eigen nenne? Ich kann nichts, weil ich den Feminismus mag (und eine Vagina besitze)?) - Feminismusbashing scheint sich so weit etabliert zu haben, dass eine Menge Blogs alleine von dieser Art des Humors (gerne gepaart mit SEHR schlechten Versuchen von Ironie und Sarkasmus) leben. Auch in Diskussionen außerhalb der Filterbubble des Netzfeminismus merkt man meist recht schnell: Viele Menschen sind im Bezug auf den Feminismus gedanklich irgendwo zwischen "Die verbieten alles was Spaß macht!" und "Die sind so nervig und überkorrekt, die nerven!" positioniert. 

Ich glaube wirklich sehr fest daran, dass die meisten Menschen, Männer wie Frauen und alles dazwischen oder außerhalb, Gleichberechtigung der Geschlechter (in der Theorie) ziemlich gut finden. Würde man das Kind nicht Feminismus nennen, dann wären die Ideen auch massentauglicher. Nur ist Massentauglichkeit nicht unbedingt das Ziel der meisten Feministinnen, und ganz bestimmt nicht das Ziel der linken Radikaleren in der Strömung. Als ich ganz, ganz am Anfang meiner Zeit als Netzfeministin stand, schreib ich mal einen Beitrag darüber, wie sehr mich dieses "Von-Oben-Herab-Getue" und das Tummeln auf Nebenkriegsschauplätzen wie ungeschickten Äußerungen von prominenten Personen und dem Kampf um Formulierungen nervt, während die Realisierung von Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft so vor sich herdümpelt und das Mobilisieren großer Gesellschaftsschichten eigentlich ganz fallen gelassen wurde. Daran hat sich heute nicht viel geändert.

Menschen, die nicht tief in den Gender Studies oder zumindest den Sozialwissenschaften verwurzelt sind, werden im Online-Feminismus durch ausschließende Sprache draußen gehalten, Menschen, die vielleicht grundsätzlich am Feminismus interessiert sind oder die Ideen gut finden, werden mit kleinlichen Debatten und einer Diskussionskultur unter aller Sau vor den Kopf gestoßen. Ein dickes Fell ist für den Netzfeminismus, der sich meist als flauschige Bubble von Verbündeten präsentiert, ist nicht nur angeraten, sondern fast Pflicht.

Problematisch wird dieses Bild, das der Feminismus abliefert, wenn es um die breite Masse geht. Denn nichts ist schädlicher für die Bewegung als die permanente Lächerlichmachung durch Dritte. Themen wie Sexismus, Bodyshaming, Gewalt gegen Frauen sind riesige gesellschaftliche Probleme, die mit Sprachkritteleien um Anredevarianten und Shitstorms über unglückliche Äußerungen in einen Topf geworfen werden. Feminismusbashing macht die Bewegung dann noch unattraktiver, als sie eh schon ist. Und damit wird das auch nichts mit der gesellschaftlichen Umsetzung.

Und jetzt? Naja, ich weiß es nicht. Feminismus ist Feminismus, und nicht Equalismus oder was-auch-immer. Aber mit Randkonflikten kommen wir nicht weiter, und den Weg mit "Dann warten wir mit der gesellschaftlichen Umsetzung von Gleichheit eben auf den lieben Gott oder den Sozialismus" finde ich auch irgendwie doof. Meine "Forderungen", das leidige (und langweilige) Feministinnen-Gebashe einzustellen hat allerdings vermutlich ähnlich viel Erfolg wie das Warten auf eine bessere Welt. 

Nervt euch das Gebashe von Randthemen des Feminismus auch? Fändet ihr die Sache besser, wenn man ein "Equalismus"-Schild drüberpappt? Wie könnte man Geschlechtergerechtigkeit besser durchsetzen, oder reicht es, Formalien wie die Sprache zu ändern und der Rest wird schon irgendwie von alleine?

Anmerkungen 2: Ich bin übrigens nicht gegen geschlechtergerechte Sprache - ich mag das Binnen-I sehr und versuche weitestgehend neutrale Formen zu verwenden. Ich finde Sprachveränderungen nur in Übertreibung angewandt doof. Ebensowenig möchte ich den Feminismus umbenennen - das wäre ja eine genauso sinnvolle Symboltat wie das generische Femininum.






Freitag, 7. Juni 2013

"Von Tuten und Blasen keine Ahnung?" - Wie man richtig Schwänze bläst - Schritt-für-Schritt-Anleitung für 14-Jährige

Ich werd alt. Mein Studium neigt sich dem Ende, ich bin auch mit viel Toleranzbereich kein Teenie mehr, und ich bin seit zwei Monaten selbstständig. Also nicht so wirklich die Zielgruppe der MÄDCHEN. Aber wie wir alle wissen, interessiert mich das ja nur so mittel. Und in der neuesten Ausgabe der MÄDCHEN lerne sogar ich noch etwas dazu. Denn:

"Von Tuten und Blasen keine Ahnung? Macht überhaupt nix! Wir erklären dir, wie "es" geht und was zu tun ist, wenn du es "eklig" findest!"

Japp. Ein Blowjob-Ratgeber für 14-Jährige. Ihr lest das richtig. Komplett mit Schritt-für-Schritt Anleitungen und wichtigen Informationen wie dieser hier:

"Zur Beruhigung: Sperma macht nicht dick! Es hat nur circa 5 Kalorien pro Ladung und enthält viele Proteine!"

Schön das wir das geklärt hätten. Allerdings: Unter bestimmten Umständen kann Sperma durchaus dick machen. Ich mein ja nur...

Zuerstmal zur Klärung. Ich hab nicht gegen Aufklärung. Im Gegenteil, ich finde es wichtig, brennende Fragen von Teenies fachgerecht zu beantworten, und dazu gehört auch, wie man Sex hat. Was mich stört, ist der Ton, in dem der Artikel geschrieben ist. Es geht hier nicht um die Zielgruppe, die Mädchen, die die Zeitschrift lesen. Es geht um die Jungs. Wie man sie befriedigt, was sie abtörnt, wie man mit dem Ekel vor dem Blowjob so umgeht, dass man es trotzdem macht. Und vor allem existiert dieser Artikel ja nicht im luftleeren Raum. die ganze Zeitung dreht sich zu locker 75% nur um Jungs. Um das zu untermauern plane ich auch schon einen weiteren Artikel.

Also, was lernt die geneigte 14-Jährige denn nun? Zuerstmal:

 "Was ist, wenn ich mich nicht traue, es zu tun?
Mache dich mit seinem Penis vertraut! Du wirst mit der Zeit lernen, was IHM besonders gefällt und welche Stellen besonders empfindlich sind. Und; Was deine Hand kann, kann dein Mund doppelt so gut!"

Das beantwortet nicht die Frage! Diese Antwort geht davon aus, dass sich das Mädel nicht an den Penis traut, weil sie nicht weiß, was sie tun soll - nicht, weil sie es eklig findet. Diese Antwort betrachtet die Frage aus dem männlichen Blickwinkel. Nicht aus dem weiblichen.

"Ist das Sperma nicht nach deinem Geschmack, darfst du es auch ausspucken! Aber bitte diskret!"

Na, wie gnädig. Aber bitte nur diskret, nicht, dass das heilige männliche Ego noch angekratzt wird!

So, aber jetzt gehts zur Sache! Wolltet ihr schon immer lernen, wie man denn nun bläst, Schritt-für-Schritt. Also, den EINEN richtigen Weg! Anders geht das nicht. NEIN ANDERS GEHT DAS NICHT!!!!

1) Erforsche seinen Penis mit deiner Zunge und deiner Fantasie!

Wie erforscht man etwas mit der Phantasie? :( Mist, ich bin hier schon überfordert!

2) Beginne an der Eichel und umspiele sie mit deiner Zunge. Stell dir vor, du hast eine Kugel Vanilleeis vor dir.

Aber Vanilleeis schmeckt besser und ist kälter, hat eine andere Konsistenz und schreit nicht laut, wenn man reinbeißt.

3) Umfasse die Peniswurzel, bedecke deine Zähne mit dem Mund und lasse seinen Penis langsam in deinen Mund gleiten
4) Unterhalb der Eichel gibt es einen sehr sensiblen Punkt, das Frenulum oder Vorhautbändchen. Hier ist dein Süßer ganz besonders empfänglich für Zärtlichkeiten!
Alle. Immer. (Mein Freund hasst es zum Beispiel, wenn ich an das Bändchen gehe, weil er es nicht mag. BIG SHOCK!)

5) Manche mögen es härter, manche sanfter - du merkst sicher schnell, was deinem Liebsten gefällt!

...Wie sich das für ein ordentliches Mädchen auch gehört!

Vor allem, auf die wirklich interessanten Themen wird mit keiner Silbe eingegangen! Wie man seinen Kopf richtig positioniert, um keinen Würgereiz zu bekommen, wie man merkt, dass er gleich kommt, wie man die Hoden einbeziehen kann (die laut diesem Ratgeber nicht existieren, zumindest werden sie nicht erwähnt), und so weiter. Total hilfreich, das Ganze.

Den letzten Satz finde ich äußerst faszinierend. Nachdem eine ganze Seite drüber schwadroniert wurde, wie wichtig es anscheinend ist, ordentlich blasen zu können, und die Option, es gar nicht erst zu machen, wenn man nicht will, nicht wirklich zur Debatte steht, finde ich den letzten Satz etwas...hingeklatscht, weil er halt irgendwie rein musste.

Du bist zu überhaupt nichts verpflichtet


Sonntag, 24. März 2013

Vor- und Nachteile des "Jungsseins" (Vor allem Vorteile)

Ich muss mich entschuldigen. Ich versuche es wirklich! Aber in letzter Zeit ist die BravoGirl so inhaltsleer geworden, dass ich kaum noch lustige Textschnipsel finden kann: Es gibt einfach kaum noch Texte! Dafür aber umso mehr bunte Glitzi-Glitzi-Star-Style-Bilder. Hat doch auch was.

Deswegen habe ich in meinem ewig währenden Fundus gebuddelt, und eine Zeitung aus letztem Jahr ausgegraben. Denn da gab es ein großes Jungsspecial! Okay, ich war zwar der Ansicht, alle anderen Ausgaben wären auch schon Jungsspecials, weil es da zu 80% nur drum geht, wie frau für Jungs hübsch aussieht, aber so kann man sich irren.

Und im Zuge dieses Jungsspecials gibt es auch einen Artikel über die Vor- und Nachteile des männlichen Daseins. Und Ja, da steht wirklich "Jungsseins". Ein Junge, Nick, und ein Mädchen, Valerie, referieren über ihre Sicht der Dinge. Aber aufgrund des ähnlichen Schreibstils vermute ich einfach mal, dass beide Texte redaktionell geschrieben wurden, also von ausgebildeten Journalistinnen. Aber sicher sein kann man sich da nicht.

Das sagt Nick:

Es gibt so viele Gründe, gerne ein Junge zu sein! Wir haben mehr Muskeln, dürfen so viele Mädchen küssen wie wir wollen, ohne gleich als Schlampe abgestempelt zu werden und brauchen keine Handtasche - unser Werkzeug passt auch in die Hosentasche!
Was für Werkzeug denn? Euer prächtiger Teenager-Penis? (Das führt sicher wieder zu interessanten Google-Suchbegriffen...). Aber entschuldigt: Männliche Männer haben natürlich immer Hammer und Bohrmaschine dabei, um ihre Männlichkeit(tm) zu beweisen.
Wir müssen nicht bei jeder Dailysoap heulen, kriegen keinen hysterischen Anfall, wenn der pinke Nagellack leer ist und müssen keine Kalorien zählen. Wir können nämlich so viel essen wie wir wollen, ohne zuzunehmen!
Das halte ich aber für ein Gerücht! Aber schön, dass mal wieder total bescheuerte, unreale Stereotype aufgeschrieben werden, das hilft sicher dabei, solche Vorurteile irgendwann mal loszuwerden.

Von uns wird auch nicht erwartet, dass wir kochen oder irgendwann Kinder erziehen.
Und...das nehmen wir jetzt einfach so kritiklos hin? Vorschlag, Nick: Hört doch einfach auf, das zu erwarten, wie wär das?
Aber es gibt auch Nachteile, ein Junge zu sein!
Kann ich mir grade irgendwie nicht mehr vorstellen.

Weinen ist für uns in der Öffentlichkeit tabu. Unsere Freundinnen erwarten permanent Komplimente, Blumen oder sonstige Aufmerksamkeiten. Wenn wir das aber von euch Girls erwarten, gelten wir gleich als Machos - man(n) hat es schon nicht leicht.
Das ist ja furchtbar! Grausam! Ruft die Menschenrechtsorganisationen an! Warte...Seit wann erwarten das Frauen? Ich persönlich kenne keine 14-Jährige (oder allgemein andere Frau), die Blumen erwartet. Vielleicht kenne ich ja aber auch die falschen Frauen.

Aber genug von der männlichen Sichtweise. Die weibliche Autorin wird doch sicher nicht ganz so sehr in der Klischee-Schublade wühlen, oder? (Spoiler: Doch.)

Und das sagt Valerie

Ja, es hat bestimmt Vorteile, ein Junge zu sein. Aber auch einige Nachteile!
Ach, erzähl nicht!

Ihr könnt zum Beispiel nicht gleichzeitig shoppen, telefonieren und Hamburger essen - ihr seid nämlich nicht multitasking-fähig.
Das kann ich auch nicht. Bin ich jetzt ein Junge?

Jungs dürfen auch keine langen Haare tragen! 
...weil dann kommt die Girl-Haarpolizei mit ihrer Nagelschere und beseitigt diesen Zustand!

Uns Girls wird auch viel schneller verziehen: Ein trauriger Blick oder ein süßes Lächeln genügt und die schlechte Note ist vergessen. Wir haben 30 Paar Schuhe oder mehr im Schrank und müssen Abseits nicht erklären können.
Ich habe nur 3 Paar Schuhe. Nochmal die Frage: Bin ich jetzt keine Frau mehr, oder können wir mal bitte aufhören, Klischees als die Realität darzustellen?

Dafür haben Jungs ein größeres handwerkliches Geschick. Ihr dürft euch dreckig machen, Schimpfwörter benutzen und abends länger weggehen.
Und das lassen wir jetzt auch kritiklos so stehen? Weil das ein natürliches Naturgesetz ist und kein veränderungswürdiger Zustand? (mal davon abgesehen, die besten Handwerkerinnen, die ich kenne, sind Frauen...Und mit Schimpfwörtern kann ich auch ganz gut umgehen.)

Jungs müssen sich auch nicht schminken.
Das Mädchen das tun müssen, wäre mir jetzt persönlich auch neu. Man soll schon davon gehört haben, dass manche Frauen ungeschminkt das Haus verlassen. Verrückt, oder? Und was passiert, sollte sich ein Junge schminken? Fällt dann das Universum in sich zusammen?

Ja, zugegeben: Wir wären auch gerne mal ein Junge!
Irgendwann verbiete ich der Redaktion die Nutzung des Wortes "wir". Versprochen.
 

Mittwoch, 20. März 2013

Was fat positivity mit Pro-Ana zu tun hat...

Spoiler: gar nichts.

Ich schreibe das hier mit zitternden Fingern, weil ich gerade noch so geladen und wütend bin. Zwei Blogartikel von Bloggerinnen, die ich eigentlich sehr schätze, blasen ins gleiche Rohr: Übergewicht ist THE EVILZ und Menschen, deren Größe-Gewichts-Verteilung über dem Faktor 30 liegt, sollten sofort weniger Platz einnehmen und bloß aufhören, sich selbst schön und attraktiv zu fühlen. SOFORT!

Eigentlich sollte ich sofort den "Entfolgen"-Button klicken und mit mir Rubicon Guava in den Schlaf weinen, weil wieder zwei Blogs unlesbar werden. Aber weil das auch keine Lösung ist, versuche ich mal, meine Ansicht dazu hier aufzuschreiben.

Wie sich ja eventuell inzwischen rumgesprochen hat, bin ich fat positive, stehe also zu meinem Körper und liebe mich so, wie ich bin, statt meine Ressourcen darauf zu verschwenden, an mir und meinem Gewicht rumzudoktoren. Das allerdings, so Robin und Maren, ist auf eine Stufe zu stellen mit Pro Ana, also Magersüchtigen, die diesen Weg bewusst gehen und sich bewusst und mit größter Freude zu Tode hungern wollen:
"Fett ist nämlich nicht positiv. In der jetzigen Form erinnert mich fat positive einfach sehr unangenehm an die Pro-Ana-Bewegung, in der vorzugsweise junge Frauen Magersucht (Anorexie, verniedlichend “Ana”) und Bulimie (verniedlichend “Mia”) verherrlichen, nur dass bei fat positive nicht forciert wird, noch mehr zuzunehmen. Toll ist aber beides nicht!!"
Weswegen ist Fett sein denn nicht positiv? Ihr kommt beide mit dem "Fette Menschen sind unsportlich und bekommen vermutlich demnächst Krankheit XY (wahlweise Herzprobleme oder Diabetes)"-Argument, welches schonmal per se völliger Quatsch ist: Genetische Disposition hat mit diesen Erkrankungen sehr viel mehr zu tun als das Körpergewicht. Oder ihr kommt mit irgendwelchen Freunden und Bekannten, deren Leben 100%ig besser wäre, wenn sie doch nur abnehmen würden!

Ich wage mal einen Schuss ins Blaue: Diesen Freunden würde es, ähnlich wie mir, vermutlich besser gehen, wenn sie nicht ständig von alles und jedem Tipps und Ratschläge und Kommentare und besorgte Fragen bezüglich ihres Gewichts hören würden. Ich weiß, das meint niemand böse, und man ist ja nur besorgt, weil man hat ja gehört, was dieses böse Übergewicht so alles macht und BlaBlaBla. Aber es nervt, es verletzt, es klaut Ressourcen, wo man eigentlich Unterstützung bräuchte.

Ich will niemanden dazu zwingen, üppige Körperformen schön zu finden. Ich will nur, dass man einfach mal manchmal überlegt, was man sagt. Wäre hilfreich.

(TW:Essstörung)

2009, ~50 Kilo
Und, um meinen Ärger über den Pro-Ana-Vergleich zu erklären: Ich war magersüchtig und ich war Pro-Ana-Anhängerin. Ich habe mal knapp 50 Kilo gewogen und hatte den festen Entschluss, nie wieder Nahrung zu verdauen. Während meiner Geschichts-Abiklausur war ich k*tzen, weil wir einen kleinen Schokoriegel als Glücksbringer bekommen haben. Ich war den ganzen Nachmittag auf Pro-Ana-Seiten unterwegs und hatte selber eine. Ich war Pro-Ana.




2013, ~115 Kilo



Nachdem ich ins Krankenhaus gekommen bin hat es zweieinhalb Jahre gedauert, bis ich nichtmehr k*tzen war. Während meiner Krankheit habe ich mir äusserst effektiv mein Verdauungssystem zerschossen, und das ist der Grund, warum ich heute 115 Kilo wiege. Also: Hinter meinem Übergewicht steckt eine Essstörung. Hattet ihr wohl doch recht.



(TW Ende)

(Kommentare, die auf "Übergewicht ist böse und zerstört das Sozialsystem!!!!einself!" hinaus wollen, sollen bitte woanders trollen und nerven, bitte, danke.)

Sonntag, 10. März 2013

Klassismus - Und ich dachte immer, ich wäre falsch



Es gibt einen Namen für das Gefühl, dass ich habe, seit ich aufs Gymnasium gekommen bin. Das Gefühl, immer weniger zu wissen als die anderen und immer irgendetwas falsch zu machen. Das Gefühl, immer am falschen Ort zu sein und das alles nicht schaffen zu können. Das Gefühl, dass ich seit 12 Jahren habe, nennt sich Klassismus.

Ähnlich wie Sexismus, Ableismus und Rassismus ist Klassismus ein gesellschaftliches Instrument um andere zu unterdrücken, klein und stumm zu machen. 

Ich hatte seit meinem allerersten Semester an der Uni das Gefühl, da nicht hinzugehören. Ich dachte immer, ich wäre falsch, der Fehler würde bei mir liegen. Ich habe meine Kommilitonen gehört, die in einer eigenen Wohnung leben und diesen Monat kein Geld mehr zum Shoppen hatten, und dachte, ich wäre nur neidisch. Ich saß in den Seminaren und war mit einer vollkommen anderen Lebensrealität konfrontiert, mit Fragen nach Markenklamotten und schockierte Reaktionen auf ihre Erlebnisse mit der „Unterschicht“. Mit jedem Kommentar mehr, der so nebenbei aus den Schnattermündern floss, entfernte ich mich ein bisschen mehr von den anderen Studierenden. Heute habe ich keinen Kontakt mit anderen Studierenden. Gruppenarbeiten sind meine persönliche Hölle. Und immer dachte ich, es liegt an mir. Weil ich mich zur Gruppenarbeit nicht mal eben in einem Cafe verabreden kann. Weil ich mir nicht mal eben dieses und jenes „Standardwerk“ kaufen kann. Weil ich bei manchen Diskussionen manchmal einfach nicht mitreden kann.

Was ich kann, habe ich mir selbst erarbeitet. Ich wusste nicht, wie man Hausarbeiten und Essays schreibt, und ich hätte auch niemanden fragen können. Ich bin die einzige aus meiner Familie und meinem alten Freundeskreis, die studiert. An der Uni falle ich durch meine „unwissenschaftliche Ausdrucksweise“ auf, traue mich deswegen bei manchen, bissigen Dozenten nicht mehr, mich in der Diskussion zu beteiligen. In Seminar- und Hausarbeiten bekomme ich teilweise für meinen Ausdruck Punktabzüge und schlechtere Noten. Damit muss ich leben.

Das hat nichts mir Schüchternheit zu tun und ist auch nicht mein eigener Fehler. Ich weiß, dass ich gut bin. Ich mache nächstes Jahr meinen Abschluss, arbeite nebenbei in zwei Jobs, manage das alles irgendwie, ohne wahnsinnig zu werden. Und ohne Unterstützung aus der akademischen oder studentischen Ecke.
Finanziell geht es durch meinen Job im „Rotlichtmilieu“ ganz gut, vermutlich besser als vielen anderen von Klassismus Betroffenen. Ich kenne aber auch noch die Phasen, in denen ich 2 Wochen lang nur Toast und Reis mit Senfsauce gegessen habe,  weil ich mal zum Arzt musste.  

Auch im Internet ist man nicht immer davor sicher, den Spiegel der "Dummheit" vor Augen gehalten zu bekommen. Texte von manchen Feministinnen und klugen Menschen kann ich nicht lesen, weil ich sie nicht verstehe, und auch längere und komplexere englische Texte sind für mich nicht wirklich lesbar. Das ist schade. Ich arbeite grade daran, mein Englisch so weit zu verbessern, und es wir. Aber theorielastige deutsche Texte an der Uni und auch in meiner kuscheligen Filterbubble bleiben für mich unlesbar.

Was also tun? Nicht still bleiben. Ich versuche, so gut ich kann, meine Defizite zu überdecken und zu vertuschen, zu schauspielern und bloß nie nachzufragen. Aber jetzt, wo so viele kluge Menschen aufschreien, traue ich mich das auch: Ich bin von Klassismus betroffen. Und wir können was ändern.

(Und ich finde es mehr als unpassend, belehrende Antworten zu so persönliche Texte zu schreiben, egal wie gut sie im wissenschaftlichen Diskurs gemeint sein sollten. Der verlinkte Text hält mich gerade fast davon ab, diesen Artikel zu veröffentlichen. Fast. Aber er macht meine ständige Angst, irgendein falsches Wort oder eine falsche Formulierung zu benutzen und dann "dumm" dazustehen, nicht besser. Überhaupt gar nicht.)

Dienstag, 5. März 2013

Tomb Raider 2013

Normalerweise mache ich sowas ja nicht. Also, Spielereviews, jetzt. Aber anderenseits habe ich mich über dieses Spiel so geärgert, vor Wut geweint, den Fernseher angeschrien und sitze jetzt, nach dem Ending auf dem Sofa und kann mich nicht entscheiden, ob ich das, was ich eben gesehen habe, gut finden soll. Ich bin, was Tomb Raider angeht, sehr zwiegespalten und möchte meine Eindrücke mit euch teilen.

Spoilerwarnung. Ich werde zwar nichts über die Story verraten, aber wenn ihr das Spiel selbst noch spielen wollt, dann solltet ihr den Artikel mit Vorsicht lesen.

Wer sich jetzt fragt, warum ich das schon schreiben kann - ja, ich habe das Spiel schon durchgespielt. Die Hauptstory dauert nur etwa 10 bis 12 Stunden, dann ist man durch (Und wir haben schon ziemlich gebummelt). Das ist natürlich für ein Vollpreisspiel ziemlich enttäuschend, aber scheint mittlerweile eher die Norm zu sein als eine Ausnahme.

Was man anerkennen muss: Tomb Raider sieht wunderschön aus. Die Umgebungen in der Natur sind lebendig, farbenprächtig und es macht einfach Spaß, sie zu erkunden. In Innenräumen ist dann aber teilweise so dunkel, dass man kaum erkennt, was man machen soll und im Sekundentakt den "Überlebensinstinkt" aktivieren muss, der das Bild schwarzweiß färbt und alle Interaktionsgegenstände aufblinken lässt. So kann man sich dann zumindest ein bisschen orientieren.

Lara selbst ist wahnsinnig gut animiert. Jede Bewegung sitzt und sieht fantastisch aus. Das Spiel ist Eye-Candy pur. Das muss man so stehen lassen und es während des Spiels geniessen.

Die deutsche Synchro ist von extrem guter Qualität. Vor allem Laras Sprecherin, Nora Tschirner (!) haucht ihr viel Leben ein und spricht genauso, wie man sich eine verängstigte 18-Jährige in so einer Situation vorstellt. Auch alle anderen SprecherInnen machen einen guten Job. Weiterer, dicker Pluspunkt.

Von der optischen Seite her also anscheinend ein echter Knüller? Warum denn dann jetzt diese Unsicherheit und diese verhaltene Freude nur meinerseits?

Im Vorfeld der Veröffentlichung hat sich Tomb Raider schon einiges an Kritik eingefangen. In den Trailern konnte man die extreme Gewalt schon erahnen, und nachdem das Spiel nur ab 18 Jahren erschient, ist keinesfalls übertrieben. Die Gewalt, die Lara angetan wird, die sie aber auch allen anderen Beteiligten im Laufe der Story antut, ist in meinen Augen extrem übertrieben. Und mit extrem übertrieben meine ich: Sie musste nicht sein und sie macht überhaupt keinen Sinn.

Ja, ja, es ist ein ACTION-Adventure, da muss man mit Kämpfen rechnen. Okay, geschenkt. Aber gegen Ende läuft Lara mit einem Granatwerfer und einer MG anderthalb Stunden lang durch ein altes Kloster und schiesst auf alles, was sich bewegt. Im gesamten Spielverlauf springen alle 20 Minuten hinter irgendeinen Stein Gegnerhorden hervor, die begleitet von aufgeregt fiedelnder Streichermusik, erstmal niedergemäht werden müssen. Für mich ist das ein besonders großer Kritikpunkt. Erstens HASSE ich Shooter. Und zweitens macht dieses Gegnerschlachten keinen Sinn.

Es sollte ja besonders großen Wert auf Laras ersten Mord gelegt werden, den man auch in einem Trailer zu sehen bekam. Sie wurde dabei von einem Söldner sexuell angegriffen und hat ihn dann im Verlauf dieser Ereignisse in Notwehr umgebracht. Dafür haben die Entwickler viel Kritik geerntet. Was mich stört ist vor allem Folgendes:

Game Designer Darrell Gallagher dementierte später die Andeutungen auf versuchte Vergewaltigung und sagte, dass die Momente im Spiel, die Laras Charakter definieren, fälschlicherweise so bezeichnet wurden. Lara werde in der Situation dazu gezwungen zum ersten Mal einen Menschen zu töten. In dieser Szene passiere nicht mehr, als bereits gezeigt wurde. Sexuelle Nötigung jeglicher Art sei definitiv nicht das Thema des Spiels.
 Das stimmt nicht. Die Szene zeigt ganz klar eine versuchte Vergewaltigung. Das ist aber nichtmal der Punkt: Ja, es mag für Lara sichtlich schockierend gewesen sein, diesen einen Mann zu töten. Aber bei den danach folgenden 400 Männern zeigt sie nie wieder auch nur einen Moment davon. Kein bisschen. Als hätten die Entwickler den Punkt, dass Lara eine Studentin ist und keine blutrünstige Amazone, danach komplett vergessen. Mit Pfeil und Bogen, Pistole, Schrotflinte, MG, Granatwerfer und Kletteraxt metzelt sie im Spielverlauf alles und jeden ab. Sowohl die ständigen Gegnerwellen, als auch Wachsoldaten, die sich bei einem Schachspiel in der Wildnis darüber unterhalten, wie gerne sie wieder nach Hause wollen.

Neben dieser Gewalt ist es auch absolut maßlos, was Lara angetan wird. Spätestens nach den ersten zwei Spielstunden hätte sie schon zweimal tot sein müssen. Und es wird mit jeder Cutscene schlimmer. Am Ende hat sie (nach unserer Zählung) ein schweres Nierentrauma, alle Gliedmaßen und einige Rippen gebrochen, eine offene Wunde am Bauch und am Arm (mit der sie durch so einige Tümpel und die Kanalisation watet), wurde mehrmals über Kopf aufgehangen, ist zwei Wasserfälle runtergespungen, hat sich einen brennenden Pfeil in ihre Fleischwunde gehalten und hat 4 Tage lang weder geschlafen, noch etwas gegessen. Und auf dem Klo war sie auch nicht.

Von den Game Over-Animationen mal noch ganz zu schweigen. Wenn man das cool und lustig und megageil findet, wie Lara aufgespießt oder erschossen wird, ist man ein schlechter Mensch. Und ja, das wird in aller Deutlichkeit äußerst graphisch gezeigt.

Eine der Fragen, die ich mir gestellt habe war, ob ein männlicher Held auch ALLE diese Traumata hätte durchmachen müssen, um zu rechtfertigen, warum er so ein großer Held geworden ist. Ziel des Spiels ist es ja, uns zu zeigen, wie Lara Croft zu der Bad Ass-Archäologin wurde, die wir kennen und lieben. Meiner Ansicht nach ist sie nach den Erlebnissen auf der Insel ein traumatisierter Sozialfall.

Achja, und die Story ergibt überhaupt gar keinen Sinn. Aber das zu analysieren wäre jetzt zu spoilerbehaftet.



Aber hey, es ist wenigstens ein ziemlich gutes Assasins Creed!

Samstag, 16. Februar 2013

Beziehungsratgeber 2013 - Coming soon




"Wann kommt endlich der beschissene Prinz auf seinem Gaul?!" Von Oliver Stöwing.
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