Sonntag, 1. April 2012

Feminismus 101 - Vom ersten Tag an anders?



Wenn es um Kinder geht, neigt unsere Gesellschaft und die mediale Diskussionskultur dazu, völlig frei zu drehen. Es geht ja schliesslich auch um KINDER! Denn die bösen Feministinnen wollen doch den kleinen Rabauken verbieten, mit Treckern zu spielen und den kleinen Prinzessinnen ihre Barbies wegnehmen, oder? Diese UnmenschInnen! (Den Ausdruck habe ich von hier oder hier. Beides Comedy-Gold.)

Naja, ganz so furchtbar menschenverachtend ist es nun auch wieder nicht. Es geht eigentlich um die Frage: Sind Geschlechtsunterschiede genetisch festgelegt oder gesellschaftlich aufgeprägt? Simone de Beauvoir hat diesen berühmten Satz geprägt: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“. Dem gegenüber steht eine Armada von Wissenschaftlern und Autoren, die den „kleinen“ Unterschied zwischen „Mars“ und „Venus“ immer wieder bestätigen.

Um welchen Unterschied geht es denn? Nunja, niemand will bestreiten, dass es Geschlechter gibt – aber was ist mit den Zuschreibungen?
Sind Mädchen und Frauen immer mütterlicher, sozialer und häuslicher, mögen Pink, sind schlecht in Mathe und können sich nicht orientieren?
Und sind Jungs und Männer emotional verkrüppelte, fußballverrückte, alles anpimmelnde Technikfreaks, die sich nie waschen?

Die Frage ist: Greift das Mädchen zur Puppe, weil es genetisch in ihr steckt, oder weil sie von klein auf anders behandelt und für andere Sachen gelobt wurde, es Gruppenzwang bei Kinderfreundschaften gibt, und sie immer freundlich gesagt bekommen hat: „ein Mädchen tut SOETWAS nicht!“?

Genau diese Frage stellt der Feminismus. Er geht nicht von festen Rollen und festen Eigenschaften bei den Geschlechtern aus, sondern davon, dass die Unterschiede im Verhalten aus der Sozialisation herrühren.


Es gibt Untersuchungen von beiden Standpunkten aus – aber für jede, die eine genetische Komponente feststellt, gibt es drei Studien, die das ganze widerlegen. Interessant finde ich, dass gerade momentan als immer mehr Frauen aus der Hausfrauenrolle in die Wirtschaft drängen und „klassische“ Lebensentwürfe seltener werden, der Trend dazu geht, alles mögliche mit der Evolution und genetischen Komponenten zu erklären.

Das treibt interessante Blüten. So hat eine britische Studie versucht nachzuweisen bzw. tatsächlich „nachgewiesen“, dass Frauen eher auf Rosa- und Rottöne ansprechen, Männer eher auf Blautöne. Das wurde damit erklärt, dass Männer in sehr, sehr alten Zeiten auf der Jagd unter dem blauen Himmel waren, und Frauen nach roten Früchten gesucht haben. Ja, das war die Erklärung.

Tatsächlich spielt aber der unterschiedliche Umgang mit Jungs und Mädchen eine viel entscheidendere Rolle in der Herausbildung bestimmter Eigenschaften. Jungs werden viel eher dazu angehalten, wild und aktiv zu sein, Mädchen „sollen“ eher sozial sein. Niemand ist vollkommen frei davon, Kinder (und Erwachsene) so zu beurteilen und unterschiedlich zu behandeln. Und dann werden Ursache und Wirkung vertauscht. Und das führt dazu, dass sich die Situation immer weiter verschärft – Mädchen sind und werden zu rosa Lillifee-Prinzesschen, und Jungs zu raufenden Idioten. Und wenn sich ein Kind mal nicht entsprechend verhält, wird sanktioniert. Das hat nix mit genetisch zu tun – wird aber dazu umgedeutet.


Yeah, xx

Kommentare:

  1. Naja, inzwischen stellt diese Frage nicht mehr wirklich der Feminismus sondern eher die Gender Studies ;)

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  2. Also ich würde den zweiten Link ganz schnell wieder entfernen, sonst fängst Du dir noch ne Klage ein ;)

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  3. Faszinierend, dass eine Studie versucht hat, das mit den Farben genetisch zu erklären. Es wundert mich, dass so etwas tatsächlich von jemandem finanziert wird...
    Zumal die Zuschreibung von Rottönen zu Frauen und Blautönen zu Männern eine 'Erfindung' der Moderne ist. Im Mittelalter zum Beispiel wurde blau eher Frauen zugeschrieben, da es mit der Jungfrau Maria assoziiert war und Rot den Männern, weil es für Macht stand und mit Kriegern assoziiert wurde. Das hat sich erst um den ersten Weltkrieg herum geändert, da die Preußischen Uniformen in blau gehalten waren, weswegen die Farbe dann mit Soldaten in Verbindung gebracht wurde. :)

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  4. @Sma: Preussische uniformen waren schon seit dem 17. jhd in etwa blau, im ersten weltkrieg hingegen wurden sie ganz flott durch graue ersetzt. Just saying^^

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