Samstag, 12. Februar 2011

Fitter, happier, more productive




Ah, willkommen zurück in meinem Leben, mein lieber kleiner Blog.

Ich glaube, ich kann mit Recht behaupten, dass ich soeben eine der schlimmsten Wochen meines Lebens hinter mich gebracht habe. Drei Klausuren in Bulimie-Lern-Fächern, 39° Fieber, eine Panikattacke und ein Kreislaufkollaps, der jetzt noch nachwirkt. Zwei der drei Klausuren hab ich auf Schmerzmitteln geschrieben, und mit ein bisschen Glück brüte ich grade eine Nierenbeckenentzündung aus, weil ich noch nicht zum Arzt gehen kann (Nächste Woche darf ich nochmal in den Ring der universitären Bildung steigen).
Kurzum: Ich scheine wohl nicht belastbar genug zu sein.


Belastbarkeit, was ist das überhaupt? Erstmal gibt es dafür keine Wörter in einer anderen Sprache. Man kann es schon ausdrücken, aber das sind dann meistens Synonyme, die es auch im Deutschen gibt (veerkrachtig – verkraftent ; resilient – resistent ; élastique – elastisch). Also, ebenso wie die Gemütlichkeit, eine deutsche Erfindung? Fest steht, man findet kaum eine Stellenanzeige, in der nicht belastbare und flexible junge Menschen gesucht werden.Es wird gefordert, dass man dauerhaft Stress widerstehen kann, sich selbst lange Zeit keine Erholung gönnt und Kritik an der eigenen Person (!) in rauen Massen wegstecken kann.


All das sind meiner Ansicht nach nicht der richtige Weg zum Achso-wichtigen, „produktiven“ Mitarbeiter (und das ist ja schließlich genau der Typ Mensch, den Firmenleitungen gerne sehen, und wer kann es ihnen verübeln?) Kurzfristig, auf etwa 5 Jahre sind das vielleicht wirklich die „Performer“, die 60-70 Stunden die Woche arbeiten, Projekte alleine stemmen oder in Teams mit anderen Performern, die immer für ihre heilige Firma erreichbar sind (der Segen der Netzwelt!) und freudestrahlend bis nachts um 2 im Büro sitzen. Okay, vermutlich sind das in den meisten Branchen Extremfälle, aber gerade bei den Beratern und Medien-Leuten ist so etwas eigentlich fast die Regel.


Und was bringt diese Produktivität? Nach einigen Jahren hat der „Performer“ dann trotz Business-Yoga, Molekularküche und täglicher Joggingrunde einen Burnout. Dem Arbeitgeber ist das in erster Linie egal, wird halt der nächste Uniabsolvent zum Verheizen genommen. Aber was bedeutet das für den gebrochenen Performer? Er hat die klassischen Familiengründungsjahre dem Betrieb geopfert, nur in den seltensten Fällen hat er noch ein genügend gespanntes „soziales Netz“, dass ihn dann auffängt (Freunde, Familie, Beziehungen) und wird sich fragen, warum er „versagt“ hat.



Natürlich wäre es geradezu eine Illusion zu denken, dass man etwas Vernunft beim „Humankapital“ (allein dieses Wort schon!) walten ließe, so funktioniert der Kapitalismus einfach nicht. Ich sage auch nicht, dass dass niemand gewillt wäre, etwas zu leisten, darum geht es auch gar nicht. Es geht mir darum, sich nicht für den Arbeitgeber aufzuopfern. Also, um die alte Sprüchekiste rauszukramen, „arbeiten, um zu leben - nicht leben, um zu arbeiten.“


Trotzdem heult die Wirtschaft nach einer Studie des Institutes Gallup (was in etwa so wäre, als würden die Grünen eine Studie über Umweltverschmutzung anstellen oder Frau Schwarzer über Frauen in Führungspostionen – Gallup ist der Wirtschaft recht zugetan) herum. dass zwei Drittel der Angestellten nur nach Vorschrift arbeiten und nur wenig emotionale Bindung zu ihrem Job haben.

Na was denn auch sonst?



Haben wir wieder was gelernt:


  • Die deutsche Mentalität ist wirklich toll. Wenn der gemeine Deutsche in der Straßenbahn eine vernünftig angezogene, nicht stinkende (behaupte ich zumindest von mir) junge Frau sieht, die am ganzen Körper zittert, blass wie eine Wand ist, bläuliche Lippen hat und allgemein einen unguten Eindruck macht – dann glotzt er sie an. Niemand, wirklich NIEMAND hat mich gefragt, ob es mir gut geht oder ob ich Hilfe brauche. Ich habe mich sehr hilflos gefühlt.
  • Dafür, dass ich im Prinzip auf Drogen war, liefen die Prüfungen gar nicht so furchtbar. Angenehm war es trotzdem nicht. Dozenten, die ihre Statistik-Prüfungen 7:20 schreiben lassen sind Sadisten.
  • Heute ist der erste Tag, an dem ich mich nicht wie im Koma fühle. Gutes Gefühl!
  • Aufgedrößelte Dürums sehen am nächsten Morgen NICHT schön aus.
  • Erdbeeren sind Nüsse! (Sagt meine Cornflakes-Packung, und die muss es wissen)
  • Wer weiß, von welcher Band das Titelzitat stammt, kriegt ein Bienchen!
  • Tolles Video:



Yeah, xx





Kommentare:

  1. Der Prünz kriegt ein Bienchen.... soll ich die Band jetzt verraten? ^^

    Und genau das alles, was du in deinem Eintrag schreibst, ist der Grund, warum ich selbstständig bin. Nicht, dass man als selbstständiger keinen Burnout kriegen kann, aber man weiss wenigstens, wofür man was opfert. >~< Und vor allem opfert man das für SICH und nicht für irgendeine Firma, bei der man nicht sicher sein kann, ob sie einen nach jahrelangem treuen Dienst unbeeindruckt entlassen.

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  2. Ach, der Prünz liest mit? Das freut mich aber! Nein, ich sammel mal noch Statistiken über die allgemeine Musikkenntnis *g*

    Ich kenn das selber von meinem Papa, dass man auch nach 10 Jahren aufreiben für den Betrieb (in denen ich ihn fast nie zu Gesicht bekommen habe...) behandelt werden kann wie ein kleines dummes Kind.

    Als Soziologin (hoffentlich irgendwann ^^) ist das mit der Selbstständigkeit so eine Sache, man kann zwar alles, aber nichts so richtig. Mein Traum wäre es, irgendwann mal selbstständig als Mobbingberaterin für freie Schulen (staatliche Schulen lassen da ja ungern mit sich reden...) oder freie Beraterin in der Bildungspolitik zu werden. Aber erstmal studieren, dann weitersehen.

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  3. Jaja, das mit der Selbstständigkeit ist eh nicht so einfach. Vor allem schmeisst dir die halbe Welt gerne Steine in den Weg, weil sie es dir entweder nicht gönnt, dass du in kein ödes Büro gehst, oder glaubt, dass du gar nicht arbeitest, sondern den ganzen Tag auf der Couch liegst und das Geld an deinen Zimmerpflanzen gedeiht, oder einfach so, weil du nicht ins deutsche Gesellschaftsbild passt. ^^°
    Mal schauen, wie das alles weitergeht bei mir....
    Und dir wünsche ich natürlich auch viel Erfolg. ;3

    Aber das mit den undankbaren und wirklich unmenschlichen Behandlungen nach jahrelanger WIRKLICH GUTER Arbeit kenn ich aus meiner Familie zu genüge. Ich verstehe nicht, warum manche automatisch wirklich bösartig werden, wenn sie Erfolg haben wollen. Muss man das vielleicht sogar? Ich hoffe nicht. >__< Ich meine zumindest Menschen zu kennen, die erfolgreich UND gut sind.

    Der Prünz liest manchmal mit, wenn wir abends im Bett mit Laptop liegen und ich noch durch meine Blogroll scrolle (und er dann meckert "Makeup, laaaaangweilig!" XD).

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  4. Mein werter Herr Freund hat jetzt mal bei der etwas sehr ausgiebigen Lidschattenbeschreibung (ich glaub das waren 6 gleich aussehende Farben an einem Auge, exakt beschrieben) auf einem Blog grade rübergelunzt und angefangen, lautstark "Masupilami" zu singen :L

    Ich kenne auch nur relativ wenige Leute, die sich auf der "Leiter" hochbeissen wollen, mit denen ich einen Abend beim Zocken verbringen wollen würde. Aber dazu muss man vermutlich einfach eine bestimme Art Mensch sein.

    Das ist ehrlich gesagt meine größte Angst, mich irgendwann mal als Businesshuhn in irgendeinem Büro wiederzufinden :L

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