Donnerstag, 5. April 2012

Feminismus 101 - Wie ist das eigentlich mit den Männern?



Es hält sich ja die landläufige Meinung, Feministinnen finden Männer allgemein doof und wollen anstelle eines Patriachats eine Frauenherrschaft einrichten. Dass dieses Vorurteil inzwischen Quatsch ist, wissen eigentlich alle Beteiligten der Debatte. Zumindest, wenn man sie ernstnehmen soll. Aber erstens schreibe ich auch für Normalsterbliche ohne großes Vorwissen, und zweitens ist dem Feindbild Mann inzwischen einem neuen Feindbild gewichen - die "Mehrheitsgesellschaft". Also altes Spiel mit neuen Rollen? Oder kann man mit dem Feminismus in der Gesellschaft inzwischen wirklich was anfangen?

Eine sehr gute Frage (mit dazugehöriger Antwort) hat fuzzle auf ihrem Blog gestellt:

"Alles oder nichts? Kann man als Frau Feministin sein und erwarten, dass Männer einem die Tür aufhalten?"

Ihre (und meine) Antwort: Nein. Man freut sich natürlich über jeden Menschen, der einem die Tür aufhält oder der einen nett anlächelt. Aber wollen wir nett behandelt werden, nur weil wir Frauen sind, oder wollen wir, dass in einer Gesellschaft einfach alle Menschen gut behandelt werden?

Das Problem ist leider kein gesellschaftliches, sondern ein ideologisches: Ihr gegen uns, Männer gegen Frauen, Maskulisten gegen Feministinnen. Solange dieser Kleinkrieg immer neuen Treibstoff bekommt, hat keiner die Nerven, mal gemeinsam an einer vernünftigen und befriedigenden Lösung zu arbeiten. 

Extreme Standpunkte sind für eine Debatte in vielen Fällen sogar gar nicht mal so schädlich. Sie bringen Startpunkte in eine Diskussion, von denen aus man sich langsam in Richtung Kompromiss bewegen kann. Sie setzen Impulse und eröffnen neue Blickwinkel. Aber wenn beide Seiten auf ihren Extrempunkten stehen und sich im besten Fall anschreien, im Schlimmsten ignorieren, nützt das nix.


Und da ist er wieder, mein Kritikpunkt und der Grund, weswegen ich keinen Bock auf "weibliches Vernetzen" und "Diskussionen im Safe Space" habe: Es wird nie zu einer großen gesellschaftlichen Debatte kommen, nie zu einer tiefgreifenden Veränderung, nie zu einer Lösung, wenn das so weitergeht. Wenn ich dann Blogartikel lese, in denen feministische Bloggerinnen dazu aufgefordert werden, mehr Kommentare zu löschen, um sich untereinander wohler zu fühlen, und die Kommentarpolitik bei vielen feministischen Blogs sehe, könnte ich mich stundenlang aufregen. 

Ich will gar nicht bestreiten, dass es Idioten, Trolle und vorgestrige Menschen gibt. Erlebe eich selber jeden Tag. Ist nicht schön. Aber Himmel, nützt es denn, diese Kommentare zu löschen und dabei vielleicht in einen "Löschwahn" zu verfallen und alles, was der eigenen Ansicht nicht entspricht, gar nicht erst  zur Diskussion zu stellen? Ich für meinen Teil lasse die dummen Kommentare und angreifenden Nachrichten auch stehen - und zwar, damit sie öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben werden.

Gibt es denn keine Plattform, wo sich Menschen, die Gleichberechtigung grundsätzlich cool finden, austauschen können? Ich meine, wir sollten doch alle erwachsen genug sein und Idioten erkennen und ignorieren. Und dann klappts vielleicht auch mit den Leuten, die eine gemäßigte, neutrale, noch gar nicht ausgereifte, interessierte, Mainstream-abweichende, vollkommen neuartige oder grundsätzlich ganz andere Meinung und Vorstellung von dem ganzen Geschlechterquatsch haben.

Einfach mal so ohne Ideologie und Zähnefletschen diskutieren. Um die Nachteile, die manche Bevölkerungsteile haben, auszumerzen und endlich dafür zu sorgen, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Männer, Frauen, alles dazwischen und ohne das Bedürfnis zur Zuordnung, alle Religionsangehörigkeiten, Hautfarben, Orientierungen und was sonst noch irgendwie eine Rolle spielt. Das sollte alles einfach keinen Einfluss haben, wie man behandelt wird.Das wäre doch mal wirklich schön.

Yeah, xx


Kommentare:

  1. Ich muss sagen, ich empfinde dem Begriff "Feminismus" gegenüber schon eine gewisse Abneigung, weil er für mich eine Ausgrenzung der männlichen Welt impliziert.. Das neumodische "Gender" ist da vermutlich etwas zeitgemäßer und übergreifender und somit auch inkludierender ;)

    Das Problem ist, dass sich Personen, die derart tolerant argumentieren, quasi überall ausgegrenzt werden und sich dann aus den Erfahrungen heraus gar nicht erst die Mühe machen, eine solche Plattform zu erstellen.. Einfach weil man das Gefühl vermittelt bekommt, dass es immer nur "Antistimmen" gibt ;)

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  2. Wie geil die uschi in dem blog da denkt oO
    "Ich tue meine meinung nur für leute kund, die der gleichen meinung sind. Wenn jemand nicht bereits der gleichen meinung wie ich ist, mag ich ihn eh nicht und versuch auch nicht alles, um ihn von meiner meinung zu überzeugen."
    Kann es sein, dass heute viele leute nicht mehr raffen, wozu man seine meinung hat? Wenn man eine meinung hat, zB dass alle häuser ab sofort pinke dächer haben sollten (spontanes blödsinnsbeispiel), dann will ich doch, dass alle häuser pinke dächer haben. Und um dieses ziel zu erreichen, erzähle ich anderen leuten, dass ich denke, dass alle häuser pinke dächer haben sollten. Wenn die das auch denken, schön, wenn net, versuch ich alles, um sie davon zu überzeugen, die gleiche meinung wie ich zu haben. Auf diese weise haben im idealfall irgendwann alle die meinung, häuser sollten pinke dächer haben und dann haben bald alle häuser pinke dächer. Das ist dann der weg von der idee zur umsetzung. Nur so kann man doch die eigene meinung in aktionen umsetzen!

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  3. Naja, das ist kein neues Phänomen. Es gibt Leute, die versuchen jedem ihre Meinung aufzuschwatzen und es gibt Leute, die ihre Meinung für sich behalten aber jeden für einen Primaten halten, der sie nicht teilt.

    Liegt vermutlich daran, dass so vielen Personen die Diskussionskultur irgendwie abgeht. Ist zumindest meine Theorie. Egal über welches Thema ich diskutiere, wenn ich mal mit meiner Meinung in der Minderheit bin, kommt fast immer irgendein Genie und sagt "Alter, halt die Fresse. Wir sind mehr.". Die meisten Leute wollen einfach nicht (hier hätte sich fast ein "mehr" eingeschlichen, aber eigentlich war es früher auch nicht besser) selbst denken. Sie wollen vorgekaute Meinungen, weil die eben weniger Arbeit machen als sich selbst eine zu bilden. Und da liegt meiner Ansicht nach der Hauptpunkt: Unwissenheit. Wenn ich eine feste Meinung aus der Zeitung oder dem Fernsehen oder sonstwoher beziehe, ohne groß über die Hintergründe Bescheid zu wissen, kann ich natürlich nicht ernsthaft diskutieren. Um diskutieren zu können, muss man Hintergründe kennen und Fakten und auch mal alternative Gesichtspunkte in Betracht ziehen. Wer auch nur einen Schritt vom vorgezeichneten Weg abweichen will, der muss ich ja wissen, was dort liegt. Sonst riskiert er, sich lächerlich zu machen (seinen wir ehrlich: wir alle kennen und hassen den Moment in einer Diskussion, in der uns klar wird dass der andere Recht hat). Also bleibt er lieber genau da, wo er angefangen hat. So falsch wird das schon nicht sein, wenn die Mehrheit es grölt oder es in der Zeitung steht. Einfach stur bei der Ursprungsmeinung bleiben, reduziert ganz massiv die Gefahr, sich als Unwissen zu enttarnen. Und jeder Anstrengung der Erklärung wird mit Relativierung begegnet. Gerade erst erlebt in einer Debatte zum islamischen Terrorismus:

    "Ach, die scheiß Araber sind doch alle gleich. Kann man ja nix gutes von erwarten."
    "Öhm, die Iraner sind keine ethnischen Araber sondern Perser... und die Pakistanis und Afghanen sind auch keine Araber."
    "Trotzdem. Alle gleich. Alles das selbe Pack."

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  4. Diskussion hat auch nicht zwingend den Hintergrund, jemandem von seiner Meinung zu überzeugen, sondern auch einfach um sich auszutauschen.
    Vielleicht hat der eine bessere Argumente, vielleicht hat er auch Argumente, die mir nützen. Der Austausch von Wissen ist doch auch Grundlage einer Diskussion, ob sie nun die Meinung untermauert, oder nicht.
    Insofern stimme ich ArmedWombat zu: Die Diskussionskultur ist ziemlich mau vertreten und im täglichen Umgang finden sich kaum Personen, mit denen man spontan ohne die Hammerschlagargumente "Trotzdem" oder "Ist aber so" eine ordentliche Diskussion führen kann. Vielfach fehlt die Bildung oder auch einfach das Interesse, sich mit manchen Themen zu beschäftigen. Oder aber auch den Mut einzugestehen: Über dieses Thema weiß ich so gut wie nichts. Anstatt dann jemanden zu bitten, darzulegen was dieser darüber weiß, wird dann mit populären Schlagwörtern jedes Gespräch im Keim erstickt.

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  5. Hm, es gibt "hatr.org" das ist ein Plattform für Trolle, vorgestrige Leute usw. Da kann mensch auch Kommentare hinschicken- die, achtung, jetzt kommts: die Diskussion stören.
    Und ganz ehrlich, wenn ich zehnmal das gleiche blödsinnige Argument wo stehn hab, hat niemand Lust, weiter zu diskutieren. Dass es einmal wo steht, reicht vollkommen.

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    1. Naja, ich habe aber den Eindruck, dass hatr ein willkommenes Mittel ist, um Beiträge "loszuwerden", die einen Punkt ansprechen, der vielleicht kontrovers ist. Ja, Beleidigungen stören eine Diskussion. Ist mir persönlich aber noch nie passiert, deswegen gabs da noch nie was zu löschen. Aber nein, nein, nein, Argumente, die einem nicht passen zu löschen ist nicht okay. Ebenso wenig ist es okay zu sagen "Du hast eine andere Meinung als wir - also hast du keine Ahnung".

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  6. I kind of feel your pain. Ich würde mich nicht als feministisch bezeichnen. Aber nun, würde ich mich steuerzahlend bezeichnen, bloss weil ich es manchmal tue? Irgendwie ist das für mich mehr eine Beschreibung eines Gedankens, einer Handlung.

    Hm. Manchmal handle ich feministisch. Manchmal nicht. Manchmal handle ich steuerzahlend.

    Das macht mich zu einem Hausierer in der Schublade Feminist/innen/außen. Aber die Schublade verbarrikadieren, ne Kanone oben ranlöten, und alles verbal abknallen was vorbei kommt und nicht in meine Schublade mithineinhüpfen mag, was für einen Stuß wäre das?

    Mal abgesehen, dass es in der Schublade nochmal mehr Schubladen gibt. Und die mentale Bevölkerung dieser Schubladen bekriegt sich dann auch noch gegenseitig.
    Siehe die ewige Selbstzerfleischung der (jeglicher?) Linken. Ach, die Menschen.

    Hm. Ich glaube/befürchte, es gibt keine Lösung. Aber bestimmt gibt es einen Prozess, oder besser, viele. Und besser als jetzt könnten wir es bestimmt haben. Ich bin nicht wirklich optimistisch.

    Aber es gab mal son Typen, der sagte: Utopia lebt in uns. Ich würde hinzufügen: An guten Tagen ein bisschen. An guten Tagen gehen ein paar Schubladen kaputt. Und meine Schubladen, meine ganz privaten, die die beiden Begriffe Männer und Frauen beinhalten sind schon sehr im Eimer.

    An guten Tagen reicht die Welt als Plattform für den Austausch. An guten Tagen muss ich nicht darüber nachdenken, ob die Leute, mit denen ich rede, Frauen oder Männer sind.

    a. marshall

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    1. Vielen Dank, dein Kommentar trifft meine Einstellung besser, als ich es ausdrücken konnte. Echt, der ist voll toll ^^

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    2. Heh. That seriously flattering, aw. As said,I do have my moments. Maybe that was one o them? a.marshall

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  7. @Marek

    Ich hätte mal eine Frage bezüglich der inneren Konsistenz deines Beitrags.

    Du hast eine Meinung, nämlich, dass man Meinungen hat, um andere von dieser Meinung zu überzeugen. Und da ist eine Blog-Autorin, von der du glaubst, dass die diese Meinung nicht teilt.

    Jetzt müsstest du sie, gemäß deiner eigenen Position versuchen von deiner Meinung zu überzeugen. Weshalb du vielleicht überhaupt erst diesen Kommentar geschrieben hast, den du einleitest mit: „Wie geil die uschi in dem blog da denkt oO”.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass du über so wenig soziale Kompetenz verfügst, um nicht zu wissen, dass man Diskussionen nicht mit Herabwürdigungen anleitet. Daher gehe ich davon aus, dass du niemanden von deiner Meinung überzeugen wolltest.

    Und daher meine Frage: Denkst du nicht, dass du von anderen ein Verhalten erwartest, zu dem du selbst nicht gewillt bist?

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  8. High on cliches hat ja auf diesen Blogbeitrag mit einer Antwort reagiert.

    http://highoncliches.wordpress.com/2012/04/07/safe-spaces-fordern-dialog/#comment-235

    Begründet wird dort die Löschung von Kommentaren ja nur mit der Vermeidung von Beleidigungen.

    Wir haben dort geantwortet:

    "Du begründest die von Skye (und auch schon früher von uns) kritisierte Dialogverweigerung mit angeblichen Beleidigungen in den Kommentaren und unterschlägst aber, dass auchschon einfach nur abweichende Meinungen und Kritik weggelöscht werden.

    Bei der Mädchenmannschaft steht das z.B. sogar ziemlich offen in den Kommentarrichtlinien. Nadine hat in ihrem Blog die Kommentare gleich ganz abgeschafft.

    So kann ein Dialog verschiedener "Lager" natürlich nicht entstehen und ist wohl auch nicht gewollt."

    Bis jetzt wurde dieser Kommentar dort nicht freigeschaltet.

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  9. @Kinch:
    Ich beziehe mich auf den generellen sinn einer diskussion. Mit diesem beitrag spreche ich nicht direkt die "uschi" an, sondern viel mehr die leser dieses blogs, und versuche diese (passiv) davon zu überzeugen, dass meinungen dafür da sind, andere davon zu überzeugen. Kein schöner satz, aber du verstehst, was ich meine? Und wenn man diskussionen grundsätzlich nicht mit herabwürdigungen einleiten, dann macht die politik aber was grundlegendes falsch ...
    Und welches verhalten, dass ich von anderen erwarte, habe ich denn hier jetzt selber nicht gezeigt?

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