Dienstag, 5. April 2011

Warum niemand die Demoskopie mag



Ich muss mich sehr, sehr oft rechtfertigen. Schließlich studiere ich ja das vollkommen unproduktive Fach Soziologie! Und dann noch Kommunikationswissenschaften! Weniger als 50 Stunden pro Woche! Keine Ingenieure! Nur denken, pöh! Pah, ihr müsst Bücher lesen? Du wirst doch eh mal Taxifahrer! Das ganze nette Programm eben. Aber hey, ich hab gelernt damit umzugehen, ich weiß wo ich hinwill, und ich lese gerne 22 Bücher in 3 Monaten. Wirklich. Da können die freundlichen Menschen aus dem Spiegel-Forum (wo in regelmäßigen Abständen wegen all den Nicht-Technikern der Untergang des Abendlandes verkündet wird) herumunken wie sie wollen.

Die Sozialwissenschaften haben aber noch ein ganz anderes Problem: Empirische Befragungen, also die Demoskopie (Die Schau aufs Volk, wenn man‘s aus dem Griechischen übersetzt, also das Messen diverser Variablen des menschlichen Verhaltens)  haben nicht gerade das höchste Ansehen bei uns. Sie haben keine große Tradition (Volkszählungen sind z.B. in Amerika vollkommen normal und unproblematisch) und damit keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Grundsätzlich gibt es zwei Probleme mit den Befragungen, die dem Bürger nicht passen: Das Reduziert werden auf Variablen und ein Missverständnis von Wissenschaft. Für diejenigen, die sich damit beschäftigen kommt noch das Populismusproblem dazu:

Wenn man Meinungen im Volk misst, führt das oft dazu, dass diese dann in der Politik instrumentalisiert werden. Wenn man zum Beispiel als Partei auf dem absteigenden Ast ist, und dann plötzlich der Ansicht ist, dass Atomkraftwerke abgeschaltet gehören (obwohl man drei Monate vorher noch fröhlich die Laufzeiten verlängert hat) – dann ist die Meinungsforschung zu einem politischen Instrument geworden. Natürlich sollte sich die Politik an der öffentlichen Meinung orientieren – aber ihr nicht sklavisch folgen.



Den bürgerlichen Bedenken habe ich eigentlich immer zugestimmt, gerade was den demnächst anstehenden Zensus betrifft. Aus datenschutzrechtlicher Sicht finde ich ihn immer noch bescheiden, allerdings nicht aus wissenschaftlicher Sicht. Er ist nötig. Punkt. Womit wir zu dem allgemeinen Missverständnis von Wissenschaft kommen: Wir wollen nichts von euch wissen. Wir wollen anhand bestimmter Variablen das Volk als ganzes betrachten. Niemand interessiert, wer jetzt schwul oder hetero ist, aus welchem Land genau DU kommst, als was Maria Schmidt arbeitet.

Ist der Wissenschaft, gelinde gesagt, scheissegal.

Und genau mit diesem Umstand scheinen einige Leute auch ihre Probleme zu haben: Man kann den Mensch doch nicht auf ein paar Variablen wie „Alter“, „Konfession“, „Meinung zum Rechtextremismus“ reduzieren! Und dann noch die Wahrscheinlichkeitstheorien auf ihn anwenden!
Öhm, doch.
Wie schon oben gesagt, es geht uns ja nicht um das Individuum an sich, wir machen auch keine konkreten Vorhersagen. Wir beobachten Gesetzmäßigkeiten, Abweichungen davon, Trends in der Geschichte. Nichts persönliches. Wir wissen, was wir tun.

Also zumindest, wenn man nicht mehr im zweiten Semester sitzt und versucht, die geschichtete Clusteranalyse irgendwie nachzuvollziehen.



Haben wir wieder was gelernt:
  • Oder, wie Dr. Insano sagen würde: SCIENCE! (Leider ist in dem Video das markante "SCIENCE!" nicht dabei, aber was solls)
  • Ein Blogartikel, sponsored by Prof. Dr. Donsbach, Meister aller Klassen und Disziplinen und seiner heutigen Vorlesung über standardisierte Befragungsarten. Sehr mächtig auch, wie er sich Respekt bei denen, die ihn noch nicht kannten, verschafft hat: "Das hat was mit Stil zu tun, dass habt ihr nicht. Man setzt sich nicht auf die Stufen.". Um dann drei Minuten später wieder irgendwas im Hörsaal kaputtzumachen. Mächtig. Ich mag ihn inzwischen sogar, im ersten Semester war er für mich ja noch der personifizierte Teufel. Aber er ist echt ein super Professor.
  • Unser Youtube-Projekt schwenkt auf die Zielgerade ein und ich hab jetzt Halsschmerzen von den gestrigen Aufnahmen. Aber ich glaube, das wird geil. Saugeil :D
  • Ich hab das letzte frei ausleihbare Exemplar vom Kompendium der Soziologie aus der Uni-Bibliothek erjagt. Yeah!
  • Außerdem bin ich jetzt im Besitz eines Pussy-Deluxe Ordners und eines Hausaufgabenhefts mit einem Einhorn drauf.

Yeah, xx



Kommentare:

  1. Du bekommst einen Award von mir ;)

    Siehe aenimahyperborea.blogspot.com

    Liebe Grüße,

    Pat.

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  2. haha, die umfrage ist ja genial xD

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