Letztens beim Einkaufen ist uns ein wahres Prachtexemplar von Printmedium in die Hände gefallen, ein Blatt welches so aufwendig, fundiert und... speziell ist, dass sich der Verlag für einen wahrlich unheimlichen Preis entschied! Ganze...95 Cent! Die Zeitschrift nennt sich "Von Frau zu Frau" - aber in meinen Augen sollten sie das Ganze vielleicht umbennen in "Von Frau zu Klo". Denn genau da gehört diese Zeitschrift hin, wenn sie auf Diäten (mit Erdbeeren), Aliens und Verhaltenstipps für die moderne Frau von gestern aufbaut.
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Ich gebs zu, wir haben die Zeitung nur wegen den niedlichen Tierstickern gekauft |
Besonders aufgeregt haben mich persönlich allerdings die Verhaltenstipps für ein glückliches Eheleben bzw. nichtmals richtig aufgeregt... sie haben mich eher zum Schmunzeln gebracht und ein wenig zum Fremdschämen.
Der Schlüssel zum Eheglück
"Es gab Zeiten, da ging es im Leben einer Frau hauptsächlich darum, ihre Familie glücklich zu machen. Der Mann verließ morgens das Haus, um Geld zu verdienen. Die Gemahlin versorgte in dieser Zeit die Kinder, putzte und bereitete sich auf die Rückkehr ihres Gatten vor - natürlich stand das Abendessen pünktlich auf dem Tisch. Gab es mal Streit, zählte nur eine Meinung: Seine! Für uns klingt das heute unvorstellbar. Doch offenbar hat diese Art der Partnerschaft gut geklappt: Die Scheidungsrate lag in den 50er Jahren bei etwa 12 Prozent, während heute fast jede zweite Ehe in der Trennung endet."
Nur weil etwas die Zeit überdauert, heißt das nicht, dass es gut ist oder funktioniert. Vergleichen wir das lieber mit einer Dose Surströmming. Nur weil die Dose die Zeit überdauert und nach außen hin noch in Ordnung aussieht, muss das gleiche nicht für den Inhalt gelten... got it?
"Lag es daran, dass Paare kaum eine Chance hatten, etwas zu ändern? Oder kannten unsere Mütter Tricks, von denen wir heute lernen können? Wie so oft liegt die Wahrheit wohl in der Mitte."
Die einzigen beiden Tricks, die Hausfrauen von damals wohl hatten, war erstens die Abhängigkeit ihrer Person und zweitens eisernes Durchhaltevermögen bei steter Betrachtung von Punkt 1.
Die damalige weibliche Bevölkerung hatte keine so große Wahl wenn es um Lebensverwirklichung ging.
"Deshalb lohnt es sich, die alten Eheregeln noch einmal anzuschauen - natürlich unter modernem Blickwinkel!"
Den es im übrigen hier nicht gibt.
Es folgt eine kleine, aber in meinen Augen repräsentative Stichprobe.
Zwerchfell statt Nervenkitzel
"Lachen verbindet! Sollten Ihre Geschmäcker in Sachen Humor auseinander gehen, können Sie seine Art der Komik mit der Zeit "erlernen". Schließlich ist es oft schon lustig genug, ihm dabei zuzusehen, wie er sich über seine eigenen Witze schlapplacht."
Mal davon abgesehen, dass Humor, soweit wie ich das beurteilen kann, eine der wichtigsten Komponenten für eine Beziehung ist... wieso sollte Frau anfangen zu lernen über Dinge zu lachen, die sie überhaupt nicht komisch findet? Mal davon abgesehen... wenn ich über meine Witze lache dann klinge ich nicht nur wie ein Walross welches an einem gigantischen Schnurrbart erstickt, ich sehe auch so aus... und das ist weniger lustig als es klingt.
"Übrigens: Mit einem Lachen lassen sich auch schwierige Phasen in der Partnerschaft viel besser überwinden. Bevor aus einer Meinungsverschiedenheit ein handfester Streit wird, sollten Sie öfter mal mit einem Scherz darüber hinwegsehen."
"Ach Honey, ist doch voll okay, dass du es scheiße findest dein Geschirr abzuwaschen. Solange der Sex noch schön dreckig ist!" Badumm-tss.
Bevor man sich also mal ausspricht und darin vielleicht einen Konsens findet und gestärkt aus dem "Dilemma" hervorgeht, sollte man es unter den Teppich kehren und warten bis es erneut aufkommt damit es dann richtig kracht?
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Ja, das ist das Bild für den Artikel. Shame on you. |
Männer lieben Lob über alles
"Funktioniert beim Partner so gut wie bei Kindern: loben, loben, loben! Und zwar alles, was Sie an ihm mögen. So fühlt er sich geliebt und hält sich für Supermann. Weil er möchte, dass das weiter so bleibt, wird er sich negative Dinge wie Rauchen oder die scheußlichen Feinripp-Unterhosen mit der Zeit abgewöhnen."Oder diese unlustigen Witze die er manchmal reißt... ach... Moment. Mir fehlt hier persönlich irgendwie die klare Linie. An den Humor hat sie sich zu gewöhnen, aber Rauchen und Feinripp geht nicht.
Was denn nun? Sich an den Kerl gewöhnen oder ihn verändern bis zum geht nich mehr? Mal davon abgesehen, ist diese Art der...Erziehung...mehr als zweifelhaft
Versteckte Kontrolle
Auch wenn es auf den ersten Blick anders wirkt: Schon damals hatten Frauen die Kontrolle über Finanzen und Papierkram - allerdings ließen sie es ihre Männer nicht wissen. Denn die Herren mögen das Gefühl, alles im Griff zu haben. Deshalb sollten Sie die Steuererklärung und Abheften von wichtigen Unterlagen erledigen, ihm die Arbeit aber nicht unter die Nase reiben. Damit behalten Sie den Überblick - und er sein gutes Gefühl.
Warum sollte man das tun? Ich fänds voll geil wenn meine Lebensgefährtin mir gerade diese Arbeit abnehmen würde. Freiwillig.
Ich finde es ausserdem sehr fragwürdig was hier weitergegeben wird "Machen sie ruhig die Arbeit, aber erwähnen sie nie das sie es getan haben! Nachher könnte er glauben, dass er nicht alles kann und getan hat oder noch schlimmer... er muss erkennen, dass sie auch was drauf haben!!!11elf!".
Nicht besonders modern, so in meinen Augen.
Schwäche macht stark
Hin und wieder möchte jeder Mann unser Fels in der Brandung sein. Und mal ehrlich: Auch heute erlebt jede Frau Momente, in denen sie sich schwach und verletzlich fühlt. Wenn Sie dann die Worte "Ich brauche dich" aussprechen, wird das jedes Männerherz zum Schmelzen bringen. Und weil gemeinsam bewältigte Probleme die Partnerschaft stärken, profitieren Sie beide von Ihrer Schwäche."
Wie war das nochmal mit dem modernen Blickwinkel? Vor allem... dass so ein Verhalten förderlich für die Beziehung ist, wage ich stark zu bezweifeln, das dient mehr oder weniger nur der Stärkung vom Ego des Kerls, nicht mehr, nicht weniger.
Und letztlich... sind übergroße Egos nicht sogar schadhaft? Ich fänds als Frau nicht so geil wenn ich nach Jahren des "Mimimi, ich bin so schwach, ich brauch dich!" plötzlich feststelle, dass mein Kerl ein Egomane ist, der glaubt alles besser zu können und ich in Wahrheit sein dreckiges Geschirr abwasche und seine beknackte Steuererklärung schreibe.
60 Jahre Emanzipation werden hier echt das Klo runtergespült... ich mach mir jetzt nen Kakao :(.
Yay, xx