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Heute bei den sinnlosen Deko-Bildern: Skye und die Arschblase. |
Es gibt so Momente im Leben einer Bloggerin, die leidenschaftlich gerne Zeitungen für 14-Jährige Mädchen liest, in denen sie nicht mehr an die Menschheit glaubt. Momente, in denen die Entwicklung der letzten 60 Jahre Frauenrechte einfach mal über den Haufen geworfen wird, junge Mädchen auf Brüste und ihre Liebe zu Vampiren reduziert werden und Jungs als optikfixierte, uniforme Volldeppen dargestellt werden. Und das alles auf nur einer halben Seite!
Also: Welche Zeitschrift schafft diese große Tat? Die BravoGirl, natürlich, wie immer. Der Artikel, von dem ich so frohlockend spreche, ist 4 Seiten lang und Titelstory der Ausgabe 12/2010. Aber worum gehts eigentlich?
Das Geheimnis begehrter Girls
Ja, begehrt. Im Sinne von „Von möglichst vielen Typen geliebt und begattet werdend“. Und darum geht es auch: Jungs (oder, Bravodeutsch: Boys) gefallen. Nicht mehr, nicht weniger. Wie findet man seinen Traumtypen und, viel wichtiger, wie bekommt man den Mistkerl dann dazu, dass er einem dann auch auf einer Kellerparty die Zunge in den Hals steckt und das Häutchen durchstößt? Wichtige Fragen für die geneigte 14-Jährige!
Also, kümmern wir uns erstmal um den Einleitungstext (beim Vorlesen in trauter Teamspeak-Runde habe ich übrigens erst „Eingangspost“ gesagt. Das Internetleben hat mich geschädigt.):
Was ganz oben auf den Wunschzetteln der Jungs steht, hat die große BRAVO Dr. Sommer-Studie 2009 herausgefunden: hübsch, nett und süß. Wenn diese drei Eigenschaften auf dich zutreffen, dann ist schon das halbe Herz gewonnen. Die andere Hälfte fliegt dir durch eine Mischung aus Glück und dem richtigen Moment zu. Da das ziemlich schwer zu steuern ist, konzentrieren wir uns auf den ersten Teil.
Wow, Captain Obvious schlägt wieder zu! Hübsch, nett und süß, das ist doch mal eine Ansage. Aber mal ganz ehrlich: Was soll eigentlich dieser ständige Quatsch von wegen „Traumboy“ und „wahre Liebe“? Welche Beziehung im Jugendalter (vor allem welche, die aufgrund solcher Artikel zustande gekommen sind) hält denn länger als 6 Monate? Klar, diese Tipps dienen dazu, als junges Mädchen den Schwarm zu ergattern. An und für sich ja okay. Was mich stört, ist nur die Häufigkeit dieser Tipps, Tricks und Kniffe, und ihr allgemeiner Ton. Hab ich ja schon letztes Mal gesagt: Oberstes Lebensziel dort ist immer, einen Typen zu bekommen. In nahezu jedem Satz ist vermerkt, was Jungs gefällt. Durchschnittlich 60% (!) der Zeitungen, die ich hier habe, drehen sich nur darum, wie man sich aufhübscht, stylt und charakterlich boostet, um der Männerwelt zu gefallen. Ist das wirklich die Botschaft, die wir den Mädchen schicken wollen? „Kümmer dich um einen Typen, was anderes brauchst du nicht im Leben“. Keine gute Moral, wenn man mich fragt. Aber hey, es geht weiter!
HÜBSCH
Wer behauptet, es käme auf die inneren Werte an, ist entweder blind, 90 Jahre alt oder von einem anderen Planeten. Denn natürlich spielt das Aussehen eine große Rolle. Oder findest du ein Warzenschwein attraktiv? Eben. Die Robert Pattinsons sind zwar recht selten in dieser Welt, aber es gibt ja noch einen Haufen anderer ansehnlicher Jungs.
Sagt mal, liebe BravoGirl-Redaktion, HACKTS?! Jaja, ich weiß, natürlich zählt beim ersten Eindruck in erster Linie das Aussehen. Aber in diesem Kontext sendet das beim besten Willen nicht die besten Zeichen aus. Nur wenn man perfekt aussieht, hat man die Chance auf einen „würdigen“ (=gut aussehenden) Kerl? Und, mal so ganz nebenbei: Geschmäcker sind verschieden. Das fängt bei Männertypen an (Ich stand zum Beispiel immer auf die pickligen Nerds. Wirklich. Ja, ich bin komisch, ich weiß.), und endet bei lesbischen „Girls“. Gilt das da auch? Was, wenn man eben, so wie ich, keinen Robert Pattinson will? Und was soll dieser grenzdebile Vergleich mit einem Warzenschwein? Sind alle Leute, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen jetzt picklige, warzige, grunzende Tiere?
NETT
Was meinen Jungs genau, wenn sie von einem netten Mädchen träumen? Hier kommen sie doch noch zum Zug: Die inneren Werte. Nette Girls REDEN auch mit Jungs. Sie stellen ihnen Fragen, lachen über ihre Witze, erzählen selbst was und haben im besten Fall eine eigene Meinung. Erst so erfährt dein möglicher Verehrer etwas mehr über dich, dein Leben und deine Stärken. Erst so kann echtes Interesse geweckt werden.
„Im besten Fall eine eigene Meinung“? Na herzlichen Dank. Und auch hier wieder: Diese grundsätzlichen ja ganz netten Tipps dienen wieder nur dem Ziel, sich möglichst gut vor den Typen zu verkaufen. Aber die ECHTE Unverschämtheit kommt noch…
SÜß
Die Regel ist ganz einfach erklärt: süß = weiblich = anziehend. Wenn du deinem Schwarm auffallen willst, dann spiele die ganze weibliche Trinkkiste aus. Wie das geht? So: Guck ihn an, lächle ihm zu, flirte ein bisschen. Kehre alles aus dir heraus, was aus dir ein echtes Girl macht. Schminke dich ein wenig, benutze Parfüm. Bitte ihn um Hilfe bei den Mathehausaufgaben. Spiele verträumt lächelnd mit deinen Haaren. Stolpere aus Versehen in seine starken Arme. Hach, das männliche Geschlecht ist so einfach programmiert: Zeig ihm, dass er dein Held ist, und er wird dich echt süß finden.
Oh mein Gott. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Erstens die Nachricht, die an die jungen Mädchen da draußen geschickt wird (und sicherlich nicht alle sind rational genug, um zu erkennen, was das für ein Quatsch ist, und manche werden diese Tipps befolgen) – mach dich möglichst klein, hilflos, schaue zu dem tollen Mann hoch, mach dich hübsch, dann bekommst du was du willst. Und die Männer degradiert dieser Guide zu Idioten, die erstens alle gleich sind und die zweitens komplett triebgesteuert Macht über ihre Freundinnen ausüben wollen. Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist.
Und ja, das war tatsächlich nur eine halbe Seite. Der Beitrag an sich ist 4 Seiten lang, davon etwa zwei Seiten Reintext. Unter anderem geht es dort noch um die „Fehleranalyse“, der SOS-Tipp, warum du noch keinen Freund hast (zu langweilig? Zu groß? Zu schüchtern?) und verschiedene Tipps, wie du Flirtsituationen schaffst. Als Extra gibt es 24 Karten für das Ansprech-Training, mit je einer Aufgabe, um endlich angesprochen zu werden. Eingeteilt in Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Nein, ich denke mir das nicht aus.
Profi Aufgabe 3 ist zum Beispiel:
Jetzt ist detektivisches Gespür gefragt: Finde heraus, wo und wann du deinen Schwarm allein abpassen kannst. Krieg das raus – ohne seine Freunde zu fragen (PEINLICH!!!). Und wenn du es weißt – geh dahin. Allein! Mach aber nichts. Außer freundlich zu gucken und nett zu lächeln und ihn NICHT anzustarren- Sei einfach nur da. Und beschäftige dich. Was das soll? Na, ein weiterer Trick, um ihn dazu zu bringen, dich anzusprechen.
Ich glaube, das nennt sich Stalking.
Yeah, xx